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Naturweine

Eine Tinaja aus Ton

Naturweine sind eine neue Erscheinung in der Weinwelt. Seit einigen Jahren gibt es Vertreter einer Bewegung, die sich zunächst in Slowenien, in Norditalien, in Österreich und an der Loire zeigten, die sich auf traditionelle oder historische Kellertechniken bezogen. Eine einheitliche Definition von "Naturwein" ist wegen der sehr unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Protagonisten nicht möglich, auch andere Begriffe für Naturwein kursieren: Vins naturels, Orange Wein, naturbelassener Wein, Amphorenwein oder Quevriwein (Quevri = Amphore aus Georgien). Auch sind nicht alle diese Weine Bioweine, und viele dieser Weine erfordern auf Seiten des Genießers die Offenheit, auch bisher nicht gekanntes, ‚Unerhörtes‘ oder Unerlaubtes (im Sinne der traditionellen Weingesetze) zuzulassen.

Der Wunsch der Konsumenten und mancher Produzenten nach unverfälschten, natürlichen Lebens- und Genussmitteln ist weit verbreitet, und doch scheinen manche Naturwein-Protagonisten durch ihr Auftreten vielen Weinliebhabern eher Angst zu machen.

Auch in der etablierten Weinszene gibt es Querdenker jeglicher Art, man kann manche Biowinzer dazu zählen, aber auch andere, die sich von den Regelwerken ihrer jeweiligen Gruppierungen aus den unterschiedlichsten Gründen abwenden. So ist es kein Wunder, wenn das Gedankengut der Naturwein-Szene immer häufiger aufgegriffen wird und neuartige Wege (kellertechnische wie geschmackliche) gegangen werden und so die verschiedenen Lager zusammenwachsen.


Was sind Naturweine?

Naturwein-Erzeuger versuchen im wesentlichen den Verzicht auf alle unnötige Eingriffe in die Weinwerdung. Natürlich wird der Begriff "unnötig" sehr unterschiedlich ausgelegt.

Hier eine Aufzählung der wesentlichen Regeln, aus denen die Naturwein-Winzer mehr oder weniger schöpfen:

- keine Verwendung der vielfältigen Palette an Produkten der Agrarindustrie im Anbau der Trauben, d.h. im wesentlichen: Bioanbau. Selbst die noch zugelassenen Mittel im Bioanbau sind manchen Natuwein-Erzeugern noch zuviel. Dahinter verbirgt sich aber auch der politisch motivierte Drang nach Unabhängigkeit von einer einengenden Agrar-Industrie.

- keine Verwendung von unnötigen maschinellen Hilfsmitteln (d.h. Handlese, Gebrauch von Pferden im Weinberg, etc.)

- Verwendung von traditionellen (historischen) oder alternativen Gärgefässen, z.B. Amphoren, Tinajas (aus Spanien) oder Quevris (aus Georgien), Betoneier

- Spontanvergärung des Mostes, d.h. keine Verwendung von Reinzuchthefen

- Verlängerung der Kontaktzeit des Mostes mit den Beerenhäuten (sogenannte Mazeration) bis hin zur Vergärung auf der Maische auch für Weißweine (was oft zur orangenen Farbe des Weins führt)

- keine Verwendung von Gärhilfsmitteln (Enzyme, Vitamine,etc.)

- keine Chaptalisierung, d.h. keine Anreicherung des Mostes mit Zucker vor der Gärung

- keine Schwefelung des Mostes oder des Weins

- keine Eingriffe ins Säuregefüge, d.h. keine Entsäuerung bzw. Säureanreicherung

- keine Schönung des Mostes bzw. des Weines (so bleibt ein Wein vegan)

- keine (oder nur schonende) Filterung des fertigen Weins

- keine Eiweißstabilisierung oder Weinsteinstabilisierung des fertigen Weins


Fazit

Ein Naturwein soll so natürlich wie möglich produziert werden, um dadurch die Autentizität des Terroirs (Boden und Klima) und der Trauben im Wein unverfälscht zum Ausdruck zu bringen.

Dies bringt natürlich Risiken mit sich: ein Winzer kann auf seinem neuen Weg zu Ergebnissen kommen, die er nicht vorhergesehen hat. Dann wird gefragt: ist das nun ein Fehler und darf kritisiert werden, oder ist das eben anders und gehört dazu? Und auf seiten des Konsumenten kann es nötig werden, die alten Geschmackserwartungen über Bord zu werfen und sich Neuem zu öffnen.

Letztlich gilt: ein Weinliebhaber trinkt nur das mit Genuß, was ihm gefällt.
In diesem Sinne: viel Spaß beim Entdecken!

 

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